Bienenglück

Dank unserer Tochter haben wir uns dieses Jahr kopfüber ins Bienenglück gestürzt. Bienen, diese kleinen Wesen, vor denen sich so viele Menschen fürchten, sollen fortan für glückliche Stunden und zufriedene Momente bei uns sorgen. Klingt sicher ein bisschen verrückt und ehrlich gesagt ist es das ja auch.

Seit geraumer Zeit erzählte uns die Jüngste in unserer Familie, was für faszinierende Wesen Bienen doch sind. Na gut, dachte ich ehrlich gesagt anfangs. Das mag sicher sein, aber mein Interesse hielt sich doch eher in Grenzen und ich tat das Interesse meiner Tochter etwas ab.

Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen, denn wenn sich meine großartige Tochter Dinge in den Kopf setzt, dann kommen Ideen und Vorstellungen da auch nicht so schnell wieder raus. Dennoch machte ich zum Kompromiss aller einen Vorschlag: Wenn es meine Tochter in die Bienen- und Imker-AG ihrer Schule schafft und ihre Faszination für Bienen nach einem halben Jahr immer noch da sein sollte, na dann sollte es halt auch ein Bienenvolk für sie sein.

Ehrlich gesagt dachte ich, dass die Geschichte damit ein Ende hat, bevor es so richtig anfangen würde. Aber wie das im Leben oft so ist: ich mache Pläne und das Leben sieht anderes für mich vor…

Bienen spielen seither eine so große Rolle im Leben unserer Familie, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte. Mein Herzensmensch hat extra einen Imkerkurs besucht und ich kämpfe mental gegen meine Bienengift-Allergie. Unser Großer ist tatkräftig dabei, wenn es mal wieder handwerklich zu Werke geht und wir vor allem in Form von geballter Muskelkraft Hilfe benötigen. Inzwischen ist es ein echtes Familienprojekt geworden.

So sind im Juni 2018 zwei Bienenvolk-Ableger bei uns eingezogen. Wir haben sie ordnungsgemäß bei einem Profi-Imker inkl. ihrer jungen Königinnen gekauft. Vorbildlich wie es sein sollte, haben wir sie gemäß den hessischen Bestimmungen auch gleich bei der Hessischen Tierseuchenkasse angemeldet. Alles hat seine Ordnung.

Bei der Frage nach dem Standort wurde uns sehr schnell nach ausgiebigem Einlesen in die Thematik und der Übersicht unseres doch sehr übersichtlichen Gartens klar, dass wir die vielen kleinen Wesen nicht hinter unserem Wohnhaus halten wollen. Also mussten wir nach einem geeigneten Standort suchen. Zum Glück wohnen wir auf dem Land und so gab es auch ziemlich schnell ein Grundstück, auf dem wir unsere Bienen halten dürfen. Vielen Dank, Opa Friedrich!

Die Qual der Wahl hatten wir dann auch bei den Beuten – den Behausungen der vielen kleinen Flügelwesen. Unser Behindertenwerk hat eine hervorragende Holzwerkstatt und dort werden seit Jahrzehnten Beuten gebaut. Also war für uns völlig klar, dass wir die Holzkisten dort kaufen werden. Sie sind aber auch wirklich schön! Im Februar eines jeden Jahres gibt es dort einen Tag der offenen Tür. Wir waren dort und haben also im Februar schon unsere Bienenkisten geordert und geholt.

UNSERE ZANDERBEUTEN „BERGWINKEL“

Der Tag der Bienenübersiedelung war dann endlich im Juni gekommen. 2018 war so ein unfassbar heißes Jahr. Und der wirklich einzige Regentag im Sommer war natürlich ausgerechnet der Tag, an dem wir unsere Bienen abholen konnten. Ganz ehrlich: es braucht schon wirklich viel Enthusiasmus, dass man im strömenden Regen knapp 80 km fährt, um zwei Bienenvolk-Ableger abzuholen und sie entsprechend umzusiedeln. Warum fragt Ihr Euch? Ganz einfach: Regen und schlechtes Wetter machen nicht nur bei Zweibeinern schlechte Laune. Bienen sind ziemlich aggressiv, wenn man bei diesem Wetter die Damen und Herren in ihrer Behausung stört. Und nicht nur das – stellt Euch vor, jemand reißt im strömenden Regen Euer Dach vom Haus, es regnet rein und dann werdet ihr mehr oder weniger unsanft zu einem Umzug genötigt. Da erst abends alle zu Hause sind, werden also die Bienen auch erst abends umgesiedelt. Dann, wenn alle müde und bei schlechtem Wetter auch noch schlecht gelaunt sind. Das nenne ich mal „suboptimale“ Startbedingungen…

Nachdem wir die Bienen also vor Ort beim Imker in unsere Beuten umgesiedelt hatten, haben wir sie in unser Auto verfrachtet. 80 km bei strömendem Regen über die Autobahn mit schlecht gelaunten Bienen im Kombi. Super kann ich nur sagen… Wie gut, dass wir immer noch ganz enthusiastisch sind!

Endlich auf dem Grundstück angekommen, laden wir die Bienen aus dem Kofferraum aus, verladen sie einzeln auf die Schubkarre und schaukeln sie noch ein paar hundert Meter über holprigen Feldweg bis zu ihrem endgültigen Standort. Dann musste noch ein Futterteig, den wir extra zum Start der aggressiven Krieger organisiert hatten, in die Beuten gelegt werden. Und es kam natürlich wie es kommen musste: mein armer Herzensmensch, der ganz arglos ohne Handschuhe die Beuten fassen wollte, wurde direkt von 5 Bienen attackiert und 5 fach in den Handrücken seiner rechten Hand gestochen… Im Nachgang können wir ganz klar sagen: selber schuld! Und es sollte auch wirklich das einzige mal sein, dass wir von unseren Bienen attackiert und gestochen wurden.

Im Anschluss haben wir unseren Bienen erstmal ein wenig Freiraum und Zeit zum Einleben gegeben. Das Wetter war auch gleich schlagartig besser und so zog nicht nur die Sonne bei uns ein, sondern auch unsere ersten zwei Bienenvölker. Wir sind so unfassbar stolz auf uns und vor allem unsere kleine Tochter, die uns mit ihrer Faszination und der Liebe zu diesen Tieren angesteckt hat. Danke, liebe Jette!

Ein wenig später im Sommer gab es dann einen weiteren Zuwachs: in der Schulimkerei hat der zuständige AG-Leiter und Biologielehrer für uns ein Ablegervolk angelegt. Unsere Tochter war von Anfang an dabei. Das Schulvolk hat alles wunderbar und bilderbuchmäßig erledigt. Das Volk hat sich seine eigene Königin gezogen. Jette hat in ihrer wöchentlichen AG das Wachsen des Volkes beobachtet und irgendwann auch die neue Königin des Volkes entdeckt. Gemeinsam mit ihrem Lehrer hat sie die Königin eingefangen und auch entsprechend der Jahresfarbe in Rot markiert. Sehr aufregend für alle Beteiligten. Und so haben wir eines Abends im Sommer sogar noch unsere drittes Bienenvolk abholen und zu uns umsiedeln können. Herrlich!

Seither verbringen wir ziemlich viel Zeit bei unseren Bienen. Es macht einfach Spaß und wer sich mit der Staatenbildung eines Bienenvolkes beschäftigt, wird sicherlich genauso erstaunt sein wie wir anfangs. Inzwischen ist es auch bei uns aber nicht nur reines Erstaunen, sondern schon eine Faszination.

Auf die Frage, als ich das erste Mal eine Kontrolle am Bienenvolk gemeinsam mit meiner Tochter durchführte, was sie denn jetzt eigentlich so faszinierend an den Bienen findet antwortetet sie mir: „Ich werde immer ganz ruhig und entspannt, wenn ich mit den Bienen arbeite! Und das ist toll!“ Also von ruhig und entspannt so direkt am Bienenvolk bin ich noch etwas entfernt, aber dieses geordnete Staatensystem fasziniert mich absolut. Diese kleinen Wesen haben ein winzig kleines Gehirn. Und dennoch ist alles geordnet und programmiert und funktioniert in Perfektion. Ein wirklich wunderbares Phänomen!

Wenn es jetzt alle drei Völker über ihren ersten Winter bei uns schaffen, dann werden wir nächstes Jahr das erste Mal eigenen Honig ernten können. Das wäre wirklich wundervoll und wir alle freuen uns sehr darauf!

Herzliche und bienenglückliche Grüße, Eure Filz-Ela.

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