Honigernte

Es ist der Tag, auf den unsere Jungimkerin und wir ein ganzes Jahr hin gefiebert haben. Wir haben uns eingelesen, Kurse besucht, uns mit Imkern vernetzt, zig Info-Videos geschaut und versucht, unsere Bienen zu hegen und zu pflegen und uns unserer Verantwortung zu stellen. Und heute soll unser ganzer Spaß auch noch mit einer wohlschmeckenden Honigernte gekrönt werden. Sind das nicht wunderbare Aussichten…

Wie es nunmal so ist, haben wir ja zum Glück keinen direkten Einfluss auf die Wettersituation. Also haben wir uns mit dem viel zu kalten und für Bienen zu feuchten Mai arrangiert, nehmen es an und machen – wie unsere Bienen – einfach das Beste draus. Als wir letzten Woche den Honig zum ersten mal durch unser Refraktometer beäugt haben, konnten wir es selbst kaum fassen: Unser Honig hatte nur noch 18 % Wassergehalt und somit war klar: wir können Honig ernten. Welch ein fantastisches Gefühl! Wir haben es also tatsächlich geschafft: wir können unseren ersten Honig in Empfang nehmen. Und dafür sind wir unseren fleißigen Bienen wirklich sehr dankbar!

Wir haben uns nun eine Woche Zeit gegeben, damit wir alles vorbereiten und planen können. Schließlich möchten wir dem flüssigen Gold auch mit Respekt und größtmöglicher Sorgfalt begegnen. Es steckt nämlich bis hierhin so viel Liebe und Arbeit drin, dass wir auch alles zu einem guten Ende bringen wollen.

Freitag Abend haben wir also die Bienenflucht unter die Honigräume gesetzt. Ich finde, es ist eine sanfte Methode, die Bienen von ihrem Honig zu trennen. Wir müssen dann nicht so viele von ihnen mit dem Besen verjagen, damit wir die Honigwaben ohne ihre Pflegebienen mit nach Hause bekommen.

Die ersten Honigwaben werden rausgenommen

Jetzt, es ist Samstag, geht es früh morgens zu unseren Bienen. Wir möchten früh sein, damit noch nicht so viel Betrieb rund um die Beuten herrscht. So ist die Gefahr, dass wir mit den Bienen um ihren Honig ein wenig rangeln müssen, nämlich nicht so groß. Vereinbart war also, dass Mann und Maus um viertel vor acht abfahrbereit sind. Für Teens ist das samstags definitiv zu früh, aber schau an: mit einem Ziel vor Augen klappt auch dies ohne Murren und Knurren!

Um 8 Uhr sind wir pünktlich bei unseren Honigproduzentinnen angekommen. Die 12 Stunden vor der geplanten Honigernte reichen – sehr zu unserer Freude – zum Einsetzen der Bienenflucht vollkommen aus. Somit können wir die Honigräume ohne viele Bienen öffnen und dank der frühen Uhrzeit ist auch am Flugloch noch nicht viel los. Die Beuten stehen um diese Uhrzeit noch im Schatten des rückseitigen Waldes. Unser wohl überlegter Plan scheint aufzugehen! Wie hieß es in den Achtzigern so schön: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!“

Bienenflucht von oben (der Honigraum ist schon runter genommen)
Bienenflucht von unten – mit Blick auf den Brutraum

Die wenigen Bienen, die sich partout nicht von ihrem Honig trennen können, fegen wir behutsam mit unserem Bienenbesen ab. stichprobenartig kontrollieren wir noch den Honig von ein paar Waben auf den Wassergehalt. Leider hatte es nämlich die ganze Nacht wieder geregnet.

Unser Refraktometer zeigt den Wassergehalt im Honig an

Nun kommen die Waben zum Transport in eine Kiste mit Deckel und ab damit nach Hause. Unser ganzer Stolz! Dieses tolle Gefühl, so kurz vor einem großen Ereignis zu stehen, für das man viel Zeit und Liebe aufgebracht hat. Unbeschreiblich!

Zu Hause ist alles vorbereitet. Die Küche und alle benötigten Utensilien und Arbeitswerkzeuge sind frisch gereinigt. Das Entdeckelungsgeschirr steht bereit. Die Honigschleuder ist startklar für die ersten wilden Umdrehungen. Und wir: aufgeregt bis unter die Hutkrempe. Es geht tatsächlich los.

Wir öffnen die erste Honigwaben-Box und uns umströmt ein unbeschreiblicher Wahnsinnsduft nach Honig. An unserem Bienenstand können wir den süßen Honigduft bei Sonnenschein und warmen Wetter auch wahrnehmen. Aber doch eher sanft. Und jetzt. Ein nasal-gewaltiges Spektakel. Wunderbar!

Die erste Wabe kommt auf unser Entdeckelungsgeschirr. Es wurde noch nie genutzt und musste ein wenig auf seinen ersten Einsatz warten. Aber heute ist es soweit. Unsere jüngste Bienenflüsterin weiht es ein. Und was soll ich sagen: es funktioniert! Behutsam entdeckeln wir Wabe für Wabe.

Jette beim Entdeckeln der ersten Wabe
Duftender Honig in der entdeckelten Wabe

Die ersten vier Waben sind von der honigschützenden Wachsschicht befreit – jeder von uns durfte sich an einer Wabe versuchen. Und nun wandern die ersten vier Waben behutsam in unsere nagelneue Honigschleuder. Ein großes und sehr glänzenden Edelstahlungetüm, dass nun zeigen kann, was es kann.

Unsere Jungimkerin schleudert an. Zunächst ganz behutsam, damit keine Wabe zu Bruch geht. Dann wenden wir alle vier Waben, sie schleudert erneut behutsam an und dann nimmt der Schleudergang immer mehr Fahrt auf. Von oben schauen wir alle gebannt durch den durchsichtigen Deckel der Honigschleuder und beobachten fasziniert, wie der Honig in Fäden an die Wand der Honigschleuder klatscht. Von oben können wir es sehen und unsere Ohren vernehmen dieses – wie wir im Laufe des Vormittags feststellen dürfen – typische „Honigklatschen“. Dazu dieser wunderbare Duft! Ein großartiges Fest der Sinne! Nun noch einmal alle vier Waben wenden, damit auch die andere Seite nicht nur angeschlendert, sondern auch leer geschleudert wird.

Einblick in die rotierende Honigschleuder

Und so können wir nach und nach ein wenig Routine im Entdeckeln und Schleudern erwerben. Nur die Faszination verläuft sich nicht in Routine, sondern bleibt lebendig, die ganze Zeit über. Herrlich!

Eine leer geschleuderte Honigwabe

Aber einen Höhepunkt des Tages gibt es noch: Wir versammeln uns sitzend und kniend vor dem Auslass unserer Honigschleuder. Bislang sammeln wir allen ausgeschleuderten Honig in dem großen runden Kessel der Honigschleuder. Aber da soll der Honig ja auch noch raus. Also kommt noch der große Moment, wenn wir feierlich den Absperrhahn der Honigschleuder öffnen! Der Moment, wenn das flüssige Gold aus unserer Honigschleuder fließt. Und natürlich darf unsere Jungimkerin diesen Moment übernehmen.

Flüssiges Gold in Strömen

Der große Honigeimer steht bereit, das Doppelsieb mit dem etwas gröberen ersten Sieb für Wachsreste und das feine Sieb für evtl. Restbestandteile ist aufgesetzt. Und jetzt: Die Bienenpatin öffnet langsam den Hahn und da kommt das fließende Gold zum Vorschein. Ich kann es nur immer wieder sagen: es ist einfach unglaublich und unbeschreiblich ein Teil dieses großen Prozesses sein zu dürfen!

Es bildet sich auf dem Sieb ein wunderbare Pyramide, ein Zeichen, dass der Honig genau richtig in seiner Konsistenz ist und keinesfalls zu wässrig. Die Gefahr, dass der Honig wegen eines zu hohen Wassergehalts zu gähren beginnen würde, ist also nicht gegeben.

Blick durch das Refraktometer

Das Refraktometer scheint zu stimmten, wenn es uns deutlich unter 18 % Wassergehalt anzeigt.

Alles kommt mit!

Am Ende unserer ersten Honigernte sind wir überglücklich und sehr stolz auf uns und unsere fleißigen Bienen.

Hätte mich jemand vor einem Jahr gefragt, wie ich mir das vorstelle, so hätte ich niemals das Gefühl als so lebendig, glücklich und voller Stolz beschreiben können. Manchmal ist es einfach gut, sich auf den Weg zu machen und ein Abenteuer zu wagen. Denn im Nachgang betrachtet, ist unser Bienen-Honig-Projekt mit Sicherheit ein Abenteuer. Und machmal ist es auch einfach gut, dass man nicht immer weiß, was einen erwartet!

Was jetzt kommt, weiß meine Tochter schon. Aber ich muss es trotzdem nochmals sagen: Vielen Dank liebe Jette, für dieses wunderbare Erlebnis!

Herzliche und honigsüße Bienengrüße, Eure Filz-Ela.

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